Viel Arbeit bei der Nachtschicht

Ohne Glanz und erst nach einer Leistungssteigerung in der zweiten Halbzeit hat die deutsche Fußball-Nationalmannschaft das "Abenteuer Kasachstan" gemeistert und einen weiteren Schritt in Richtung EM-Endrunde gemacht.

Miroslav Klose macht weiter Jagd auf den Tor-Rekord von Gerd Müller.
Im letzten Pflichtspiel des Jahres kam die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw am Ende doch noch zu einem standesgemäßen 3:0 (0:0) beim Weltranglisten-126. und kann mit der Optimalausbeute von zwölf Punkten aus vier Spielen in der EM-Qualifikation überwintern. Der Sieg im gut 4.000 Kilometer entfernten Astana wurde allerdings erst in der zweiten Halbzeit nach Treffern der beiden Bayern-Stürmer Miroslav Klose (48.) und Mario Gomez (76.) sowie des Kölners Lukas Podolski (85.) sichergestellt. Damit verfügt der dreimalige Welt- und Europameister nun in Gruppe A über eine hervorragende Ausgangsposition im Kampf um das direkte EM-Ticket für die Endrunde in Polen und der Ukraine. Sechs Zähler beträgt schon der Vorsprung auf den vermeintlich stärksten Rivalen Türkei, der wenige Stunden zuvor gegen den von Berti Vogts trainierten Außenseiter Aserbaidschan überraschend mit 0:1 patzte.

Lange Zeit ideenlos
Glanzvoll war aber auch über weite Strecken der Auftritt der DFB-Auswahl nicht. Der WM-Dritte präsentierte sich bei der Nachtschicht vor 20.000 Zuschauern auf dem Kunstrasen im Astana-Stadion - die Partie begann erst um 23 Uhr Ortszeit - lange Zeit ideenlos und ohne die nötige Entschlossenheit vor dem Tor. Insbesondere in der ersten Halbzeit entwickelte sich die Partie gegen den allenfalls zweitklassigen Gegner zu einer zähen Angelegenheit.

Immerhin war auf Torjäger Klose wieder einmal Verlass.
Mit seinem 58. Treffer im 105. Länderspiel brachte der Bayern-Stürmer die DFB-Auswahl auf die Siegerstraße. Damit rückte der 32-Jährige in der ewigen DFB-Torjägerliste weiter an Rekordtorjäger Gerd Müller (68) heran. Weitere Großtaten Kloses verhinderte allerdings eine Oberschenkelverletzung kurz nach dem Führungstor. So musste der WM-Torschützenkönig von 2006 in der 55. Minute mit Verdacht auf Muskelfaserriss für Mario Gomez vom Platz.

Siegerelf vom Türkei-Spiel
Bundestrainer Löw hatte derselben Elf das Vertrauen geschenkt, die vier Tage zuvor noch die Türei in Berlin entzaubert hatte. Das letzte Fragezeichen hatte hinter Mittelfeldstar Mesut Özil gestanden. Der Profi von Real Madrid hatte aus der Partie gegen die Türken eine Prellung am linken Knöchel davongetragen, bei einem letzten Test konnte Özil aber grünes Licht geben.

Özil blieb aber wie viele andere Akteure zunächst hinter den Erwartungen zurück. Selten waren Geniestreiche des Mittelfeldakteurs zu sehen, so ließ der 21-Jährige im ersten Durchgang auch drei gute Möglichkeiten ungenutzt (19., 28. und 36.).

Viele Chancen vergeben
Die erste Chance des Spiels hatte Podolski nach fünf Minuten, doch der Kölner setzte einen Schuss von der Strafraumgrenze mit seinem schwachen rechten Fuß über das Tor. Danach zirkelte Thomas Müller den Ball aus spitzem Winkel vorbei (9.)
und Klose

scheiterte per Kopf (16.).
Kurz vor der Pause war es dann zweimal Sami Khedira, der per Kopf die DFB-Führung (41. und 43.) vergab. Bei der letzten Chance traf der Mittelfeldspieler nur die Latte.

Die Kasachen suchten ihr Glück in überfallartigen Kontern. Allerdings regierte bei der Mannschaft des deutschen Trainers Bernd Storck nur allzu oft das Prinzip Zufall. Einen guten Eindruck hinterließ dabei aber Deutschland-Legionär Heinrich Schmidtgal. Der 24-Jährige vom Zweitligisten Rot-Weiß Oberhausen hatte in der 57. Minute die beste Chance das Gastgeber, als er mit einem Schuss aus halblinker Position Schlussmann Manuel Neuer zu einer Glanztat zwang.

Gomez trifft zur Entscheidung
Der Führungstreffer durch Klose, der eine feine Kombination über Özil und Podolski vollendete, brachte unterdessen nur wenig Sicherheit ins deutsche Spiel. So näherten sich auch die Kasachen das eine oder andere Mal bedrohlich dem deutschen Tor.
Erst als Gomez

nach Zuspiel von Podolski zum 2:0 traf, war die Partie entscheiden.
"Mich stellt zufrieden, dass wir den vierten Sieg eingefahren haben", meinte Bundestrainer Joachim Löw. "Natürlich haben wir auch viele Fehler gemacht, hätten früher in Führung gehen müssen. Aber insgesamt war es sensationell, was die Mannschaft in diesem Jahr geleistet hat. "Die Kasachen haben gezeigt, dass sie kein schlechter Gegner sind", kommentierte Sami Khedira. "Wir hatten in der ersten Halbzeit einige gute Chancen, in der zweiten Halbzeit haben wir sie dann konsequent genutzt. Von daher war der Sieg verdient."

"Besser geht es nicht"
Mario Gomez war erleichtert: "Natürlich habe ich mich über mein Tor sehr gefreut. Schon gegen Dortmund war ich sehr gut drauf und hab mich gut gefühlt, nur hat mir das keiner geglaubt. Es war ein wichtiges Tor, es hat Ruhe reingebracht. Für mich persönlich war es ein schönes Erlebnis."

Lukas Podolski war ebenfalls zufrieden: "Wir hatten es natürlich schwer und wussten, was auf uns zukommt. Für uns zählen die drei Punkte, wir sind jetzt vorneweg." Philipp Lahm sah es ähnlich: "Es ist nicht einfach, wir sind viereinhalb Stunden geflogen, um drei Uhr ist Wecken, aber das gehört dazu. Zwölf Punkte aus vier Spielen - besser geht's nicht."
Quelle: Sportsch.Online // Stand 13.10.10