Der Österreicher Marko Arnautovic (l) setzt sich im Kampf um den Ball gegen den Belgier Toby Alderweireld durch.
Selten hat sich ein Land über ein Unentschieden so gefreut: «Wahnsinn», «Irre» und «völlig verrückt» jubeln Österreichs Zeitungen nach dem Zitter-Punktgewinn (4:4) ihrer Fußball-Nationalmannschaft in der Nachspielzeit gegen Belgien.
Gründete sich bei der Fußball-EM 2008 noch eine Initiative, um die notorisch erfolglosen aber als Gastgeberland automatisch qualifizierten Austro-Kicker zum freiwilligen Rückzug zu bewegen, könnten sie diesmal die EM-Qualifikation aus eigener Kraft schaffen: Die Rot-Weiß-Roten überwintern mit sieben Punkten auf Rang zwei der Gruppe A hinter dem Erzrivalen Deutschland.
«Didis Boygroup lieferte irren Fight» beschreibt die Zeitung «Österreich» das Geschehen im König Baudoin-Stadion in Brüssel. Bis zur 87. Minute führte die Elf von Trainer Dietmar Constantini durch einen Doppeltreffer von Franz Schiemer (14. und 62. Minute) und einem Tor von Marko Arnautovic (29.) mit 3:2. Von der 68. Minute an waren die Österreicher nach einer Tätlichkeit von England-Legionär Paul Scharner nur noch zu zehnt - Belgien schaffte den Ausgleich und ging kurz vor Schluss (90.) in Führung. Der frisch eingewechselte Stuttgarter Martin Harnik rettete in der dritten Minute der Nachspielzeit einen Punkt für die Qualifikation.
«So etwas habe ich noch nie erlebt. Bei so einem Match schlägt das Herz höher, nicht nur als Zuschauer, auch als Spieler auf dem Platz», sagte Doppel-Torschütze Schiemer. «Derweil sind wir nirgends», bremste der Trainer jedoch zu viel Euphorie. Aber auch mit Kritik an seinen «Roten Teufeln» hielt Constantini sich zurück, die Spieler wüssten schon, was falsch lief: «Sie hinterfragen sich selbst mehr, als die meisten denken.» Der späte Ausgleich sei eine regelrechte Befreiung gewesen und zeige die Einstellung der Mannschaft: «Vom Mentalen her war das sensationell.»
Für den Österreichischen Fußballbund (ÖFB) hat das Spiel gar «historische Dimension». «Dieses Match wird sicher als legendäres Spiel in Erinnerung bleiben», schwärmte ÖFB-Präsident Leo Windtner. «Das ist eine schöne Geschichte, doch mir wäre lieber gewesen, wir hätten gewonnen», sagte der Trainer dazu. Die Zeitung «Kurier» verbucht das Match dennoch als Sieg und beruft sich auf einen alten Wiener Kaffeehausspruch: «A Unentschieden is a Sieg für Österreich.»
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