"Wir wollen aufs Tempo drücken"

Ein klarer Sieg allein reicht Joachim Löw gegen den krassen Außenseiter Kasachstan nicht aus. "Wir wollen eine Mannschaft sehen, die Spielfreude und Spielwitz zeigt, wie bei der WM und in den Spielen danach. Wir wollen auf das Tempo drücken", sagte der Bundestrainer am Freitag (25.03.11) in Mainz. Vor dem EM-Qualifikationsspiel am Samstag in Kaiserslautern wich Löw sogar von seiner Vorbereitungsroutine ab und verzichtete auf eine Videoanalyse des Gegners.



Joachim Löw

"Die Frage ist nicht, wie gut Kasachstan ist, sondern wie gut wir sind", sagte Löw. Die Fußballer aus der Republik hinter dem Ural - im Hinspiel im Oktober nach Anlaufschwierigkeiten auf Kunstrasen 3:0 besiegt - werden vom DFB-Ensemble als Gegner zur Kenntnis genommen, mehr aber auch nicht. Die Konzentration gilt der Fortentwicklung der eigenen Leistungsprinzipien. 47.849 Zuschauer im ausverkauftem Fritz-Walter-Stadion sollen die ganze Dynamik des WM-Dritten bewundern dürfen, der seit dem Halbfinal-Aus in Südafrika gegen Spanien alle vier Pflichtspiele gewann. "Wir sind nicht im Urlaub hier", betonte Kapitän Philipp Lahm.

Für die Startelf deutet sich der Rückgriff auf das bewährte WM-Personal an. Das Grundgerüst steht für Löw. Dazu gehört trotz seiner Bayern-Reservistenrolle weiter Miroslav Klose als Stoßstürmer. "Ich bin absolut der Meinung, dass er sein Niveau hält", sagte Löw. In seinem 107. Länderspiel kann Klose in der alten Heimat seine Trefferquote von derzeit 59 Toren erhöhen und damit weiter den Rekord von Gerd Müller (68) jagen. Mario Gomez kann erst am Dienstag gegen Australien in Mönchengladbach auf einen Startplatz hoffen.

Arne Friedrich erhält Sonderlob
Sogar für seine einzige Baustelle - der linken Abwehrhälfte - sieht Löw mittlerweile genug Möglichkeiten. Gegen Kasachstan zeichnet sich eine Neuauflage der geglückten WM-Notlösung mit Arne Friedrich als Nebenmann von Per Mertesacker in der Innendeckung ab. "Arne Friedrich habe ich in dieser Woche wieder in WM-Form gesehen, sehr aggressiv, konzentriert und effektiv", lobte Löw den Wolfsburger. Beim Länderspiel-Doppelpack gegen Kasachstan und Australien sollen alle vier Innenverteidiger - Mertesacker, Friedrich, Holger Badstuber und Mats Hummels - in der Summe alle auf 90 Einsatzminuten kommen, kündigte der Bundestrainer an.

Ganz links ist momentan offenbar WM-Teilnehmer Dennis Aogo erste Wahl - vor dem Dortmunder Marcel Schmelzer. "Er hat sehr gute technische Fähigkeiten", lobte Löw den Hamburger Aogo. Die Lage habe sich in der Abwehr insgesamt entspannt. "Vor einigen Jahren hatten wir da noch andere Probleme", sagte der Bundestrainer.

Komplimente für die Trainingsarbeit
Groß gefordert werden dürfte der Defensivverband gegen Kasachstan aber ohnehin nicht. Null Tore, null Punkte lautet die kasachische Qualifikationsbilanz. "Es ist ein Team, das von seiner Physis lebt. Spielerisch sind sie nicht auf unserem Niveau", sagte Löw. Zur Einstimmung auf die Partie zeigte der DFB-Chefcoach seinem Kader noch einmal das Video vom 1:1 im Italien-Spiel aus dem Februar. "Da hat mir nicht alles so gefallen." Größere Komplimente erhielten seine Akteure da schon für ihre Trainingsarbeit in dieser Woche im Drittligastadion von Wiesbaden. "Sie haben sich so verhalten, als ginge es gegen Österreich, Türkei oder Belgien", bemerkte Löw.

In der Qualifikationsgruppe A sind diese Kontrahenten schon deutlich distanziert. Nach vier Siegen in vier Spielen führt die DFB-Auswahl die Ausscheidungsrunde mit zwölf Punkten und 13:1 Toren an. Läuft es so weiter, könnte das EM-Ticket schon im Sommer nach den Gastspielen in Österreich (3. Juni) und Aserbaidschan (7. Juni) fix sein. "Umso wichtiger ist es, dass wir gegen Kasachstan gewinnen", sagte Mittelfeldspieler Bastian Schweinsteiger.
Quelle: Sportsch.Online - Stand 25.03.11