Schürrle ist einziger Gewinner

Bei der Pleite gegen Australien ging auch Löws junge Garde unter. Einzig André Schürrle nutzte die Bewährungschance und empfahl sich für zukünftige Aufgaben.



Gibt auch im DFB-Trikot den Ton an: André Schürrle

Michael Ballack dürfte einer der wenigen Zuschauer gewesen sein, die dem trostlosen Testkick gegen Australien etwas Positives abgewinnen konnten. Der Nationalmannschaftskapitän außer Dienst hatte in Mönchengladbach einen guten Tribünenplatz und damit beste Sicht auf André Schürrle, seinen zukünftigen Mannschaftskameraden bei Bayer Leverkusen. Schürrle lieferte am Dienstag (29.03.11) auch im Nationaltrikot den Beweis ab, dass die stattlichen elf Millionen Euro Ablöse, die Bayer im Sommer für das 20-Jährige Offensivtalent nach Mainz überweist, gut angelegt sind.

Gewinner von Löws Testlauf
Bundestrainer Joachim Löw hatte das im Vorfeld massiv kritisierte Spiel gegen Australien zum Testlauf für die junge, zweite Garde umfunktioniert. Von den Hoffnungsträgern konnte aber einzig Schürrle seine Chance ergreifen, sich für künftige Einsätze, auch über bedeutungslose Testspiele hinaus, zu empfehlen. Während etwa Dortmunds viel gerühmte Posterboys Marcel Schmelzer, Sven Bender und Mats Hummels im uninspirierten deutschen Spiel untergingen und beim Ausgleichstor eine unglückliche Figur abgaben, zeigte Schürrle, dass er eine echte Bereicherung für die DFB-Offensive sein kann.

Vor allem im ersten Durchgang waren jene Qualitäten zu sehen, die ihn in Mainz zu einem der begehrtesten Talente der Liga gemacht haben. Schürrle suchte das Duell eins gegen eins, stürzte sich furchtlos in die Zweikämpfe mit den rustikalen "Aussies" und konnte sich auch dank seiner explosiven Schnelligkeit immer wieder durchsetzen. Er legte Mario Gomez das Führungstor auf, nachdem er geschickt in den freien Raum vor dem australischen Strafraum gestoßen war. Nach dem Doppelschlag der Australier hatte Schürrle auch die beste Chance zum Ausgleich, scheiterte aber nach einem seiner Tempoläufe an Australiens Keeper Mark Schwarzer.

Schürrle: "Sehr zufrieden mit meiner Leistung"
Profitieren konnte Schürrle sicherlich auch von den besonderen Umständen dieses Testspiels in der Spätphase der Saison: Denn die etablierten Führungskräfte Podolski, Müller, Schweinsteiger hinterließen vor allem den Eindruck, die lästige Pflichtübung ohne Verletzung überstehen zu wollen. Dies gab dem Newcomer Schürrle in der Offensive viele Freiheiten. Der Mainzer nutzte die Gelegenheit und setzte so ziemlich als Einziger Akzente nach vorne, auch auf der für ihn ungewohnten rechten Seite. So durfte er sich hinterher als großer Gewinner von Löws Casting-Projekt fühlen.

"Meine Leistung sollen andere beurteilen, aber ich bin sehr zufrieden. Ich wollte dem Bundestrainer zeigen, was ich kann", sagte Schürrle nach seinem zweiten Einsatz im DFB-Trikot. Die Länderspiel-Atmosphäre ist für ihn noch etwas ganz Besonderes: "Es ist ein Riesenerlebnis und ein Meilenstein in der Karriere. Die Erfahrung auf so einem Level, gerade gegen die harten Australier zu spielen."

Extra-Lob vom Bundestrainer
Nur die Niederlage ärgerte den Jung-Nationalspieler. Dabei wollte er auch die reflexhaft vorgebrachte Entschuldigung, der jungen deutschen Elf hätte die nötige Cleverness gefehlt, nicht gelten lassen: "Jeder, der heute hier gespielt hat, hat doch schon Erfahrung in der Bundesliga gesammelt. In der zweiten Halbzeit haben wir leider etwas nachgelassen."

Der Bundestrainer verteidigte seine Aufstellung nach dem Abpfiff und unterstrich dabei nochmals, wie wichtig der Lerneffekt für die jungen Perspektivspieler sei. Von seinen Musterschülern hob er Schürrle ausdrücklich hervor. "André ist mir sehr positiv aufgefallen. Vor allem in der ersten Halbzeit war seine Leistung richtig klasse", sagte Löw. "Er hat auch mit dem Ball ein gutes Tempo und einige schöne Doppelpässe gespielt. Zudem hat er auch in der Defensive mit Tempo nach hinten gearbeitet." Es sieht so aus, als ob sich der 20-Jährige nach diesem Abend berechtigte Hoffnungen machen darf, zukünftig mehr Verantwortung zu übernehmen, nicht nur bei Bayer Leverkusen.
Quelle: Sportsch.Online - Stand 30.03.11